Route 3 Britz - Das Gut Britz - Gutspark, Gutsschloss, Dorfkirche, Kirchteich und Gutshof

Das Gut Britz Das Gut Britz

Das Gut Britz mit Herrenhaus, Park, Wirtschaftsgebäuden und Brennerei-Schornstein steht nach umfangreicher Restauration dem Publikum seit nunmehr zirka zwei Jahrzehnten wieder offen für Besichtigungen, kulturelle Veranstaltungen und internationale Begegnungen. Erwähnt wird dieser Adelssitz erstmals 1375 (im Landbuch der Mark Brandenburg von Kaiser Karl IV.) unter dem Namen „Britzik“ – ein Name slawischen Ursprungs (breza: Birke), dessen Schreibweise öfter wechselten (Brytzk, Brietzke, Brietz etc.).

Vermutlich jedoch gab es hier früher schon einen Adelshof, und zwar auf dem Hügel neben der Kirche; jedenfalls weist eine Münze aus dem 6. Jh., die bei Bauarbeiten gefunden wurde, auf frühmittelalterliche Besiedlung hin. Die romanische Dorfkirche wurde im 13. Jh. erbaut, ihre Glocke im Jahr 1268 gegossen, der barocke Kanzelaltar 1720 gestiftet. Gutsbesitzer, welche stets zugleich Patronatsherren der Dorfkirche waren, ließen sie 1766, 1841 und 1888 ausbauen. 1888 wurde sie zudem (nach Entwürfen des Baumeisters Busse) im Stil der Neogotik verändert, wozu auch ein neuer Turm mit hoher Spitze gehörte. Sie, die Spitze, und auch die alte Glocke wurden zerstört, als der Turm 1943 in Folge eines Bombenangriffs ausbrannte.

Das Gut Britz Das Gut Britz

Das heutige Herrenhaus, dessen Sockelgeschoss zum Teil noch erhalten ist, stammt aus dem 15. Jh. Nach einem Brand baute man das Haus 1547 als Lehmfachwerk wieder auf. Sigismund von Erlach, einer der Besitzer, die der letzten Erbin der Familie Britzke 1699 folgten, ließ das Fachwerkgebäude 1705-06 durch ein zweigeschossiges Steinhaus ersetzen und den Wassergraben, der es umgab, zuschütten.

Damit war ein direkter Zugang zum Garten geschaffen, der zum barocken Park mit gradlinigen Sichtachsen umgestaltet wurde. 1719 ging das Lehen als frei verfügbares Eigentum (Allodialgut) an Staatsminister Rüdiger von Ilgen. Er setzte die erste Robinie (Pseudo-Akazie aus Amerika) – ein Geschenk von Kurfürst Friedrich III. – in den Gutspark. Auch die Anpflanzung erster Maulbeerbäume, und zwar auf dem Kirchhof, geht auf ihn zurück. In Schwung kamen Maulbeerbaum-Anbau und Seidenproduktion indes erst, nachdem Staatsminister Graf Hertzberg 1753 die Verwaltung des Gutes übernommen hatte.

Das Gut Britz title= Das Gut Britz

Und nicht nur sie: während der Hertzberg-Ära wurde aus diesem eher bescheidenen Gut eine mustergültige Domäne. Auch das Dorf profitierte durch infrastrukturelle Verbesserungen (Straßen wurden gebaut, 1765 erhielt Britz seine erste Mühle, 1774 ein Schulhaus). Hertzberg starb 1795 und wurde im Gruftgewölbe hinter dem Chor der Kirche bestattet, das er 1766 hatte errichten lassen. Der hugenottische Seidenhändler Jouanne, 1824-62 Eigentümer des Gutes, ließ den Park um 1840 bis zur heutigen Fulhamer Allee erweitern und umgestalten: Der Stil des Barock hatte – bis auf die zentrale Lindenallee – dem des Biedermeier zu weichen. Das galt auch für das Interieur des Herrenhauses inkl. der Wandmalereien, die Chr. Bernhard Rode im Auftrag Hertzbergs ausgeführt hatte (v.a. Szenen aus der Mythologie und der Landwirtschaft: Ackerbau, Viehzucht, Seidenbau, Gärtnerei, Jagd, Fischerei).

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Die Entwürfe dieses Historienmalers sind großenteils im Berliner Kupferstichkabinett zu sehen, und eines seiner Gemälde ist ins Schloss Britz zurückgekehrt. Ab 1865 war der Bankier und Fabrikant Wrede Gutsherr. Unter seiner Ägide löste die Neo-Renaissance den Biedermeier ab. 1880-83 wurde das Herrenhaus nach den Plänen Carl Busses zu einem kleinen Schloss umgebaut: Die Frontseite zum Teich erhielt ein neues Mittelportal mit Balkon, parkseitig fügte man einen Treppenhausturm hinzu, der das Dach überragt. Fast sämtliche Wirtschaftsgebäude wurden in massiver Bauweise errichtet. Außerdem ließ der Spirituosenfabrikant eine Dampf-Brennerei zur Gewinnung von Kartoffelschnaps bauen, von der heute allerdings nur noch der Schornstein steht.

Was den Park anging – ab 1890 unter der Regie von Garteninspektor Nahlop –, so kam die Mode des englischen Landschaftsgartens zum Tragen. Man bevorzugte geschwungene Wege und liebte exotische Pflanzen: zum Beispiel eine Ginkgo biloba. Sie ist heute der älteste Ginkgobaum Berlins, ca. 20 m hoch mit einem Stammumfang von reichlich drei Metern. Ilgens Robinie, die zu Wredes Zeit 180 Jahre alt war, hatte es sogar auf 5 m Stammumfang gebracht, allerdings von „Eisenbändern umspannt, gestützt, sorgfältig gehütet [...], lebt[e] sie nur noch in Kümmernissen des Alters“. 1952 wurde der Baum gefällt und 1985 an seine Stelle eine neue Robinie gesetzt.

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1924 übernahm die Stadt Berlin das Gut Britz und ließ es als Stadtgut bewirtschaften. Das Herrenhaus wurde vermietet und nach dem Krieg bis 1985 als Kinderheim genutzt. Unterdessen hatte das Ensemble nicht allein durch Bombenschäden gelitten, sondern auch durch Eingriffe während der 1950er und 60er Jahre. 1971 erhielt das Schloss den Status eines Baudenkmals. Anlässlich der Bundesgartenschau wurde das historische Erscheinungsbild des Guts-Ensembles von 1883 inklusive Räumlichkeiten und Mobiliar rekonstruiert und wieder hergestellt. Seit 1988 stehen der Park und mittwochs auch die historischen Gebäude Besuchern wieder offen.

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