Route 3 Britz - Hufeisensiedlung mit Hufeisenteich und Hüsung

Hufeisensiedlung mit Hufeisenteich Hufeisensiedlung mit Hufeisenteich

Unesco-WeltkulturerbeRationalität, Wirtschaftlichkeit und Sozialrefom mit der Idee der Gartenstadt zu verschmelzen, war die Idee des „Neuen Bauens“. Sie wurde in der Großsiedlung „Fritz-Reuter-Stadt“ verwirklicht, einem Bauprojekt, das zur Zeit der Weimarer Republik vom Architekten Bruno Taut und Stadtbaurat Martin Wagner (1885-1957) konzipiert wurde. Westlich der Allee errichtete die GEHAG mit Taut und dem Gartenarchitekten Leberecht Migge (1881-1935) eine Großsiedlung, die nach ihrem zentralen Bauwerk – einem hufeisenförmigen Wohnblock – benannt wurde und seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt – die Hufeisensiedlung.

Hufeisensiedlung mit Hufeisenteich Hufeisensiedlung mit Hufeisenteich

Während der nüchtern gestaltete Außenring des „Hufeisens“ dieses Gebäude eher wie eine Festung denn eine Wohnanlage aussehen lässt, verleiht ihm der mit Balkonen und reichlich Fenstern ausgestattete Innenring etwas Verspieltes und versetzt den Betrachter in eine scheinbar ländliche Gegend. Der Blick aus dem Fenster – gleich in welchem Teil dieses Rings eine Wohnung liegen mag – fällt stets auf Wiese und Teich. Letzterer ist Teil einer Pfuhlkette, deren Erhalt im Bebauungsplan für die Fritz-Reuter-Allee berücksichtigt worden war. Gegenpart dieses ovalen Gewässers am offenen Teil des Hufeisens ist eine rautenförmig verlaufende Straße, die sich an den geschlossenen Bogen des Hufeisens anschließt: Hüsung. So heißt die Straße.

Hüsung Hüsung

Denn wer hier wohnt, der hat eine Bleibe – Hüsung eben, benannt zu Ehren des in der Weimarer Zeit populären, sozialkritischen Dichters Fritz Reuter (1810-74) und seines Versepos „Kein Hüsung“, in dem zwei Liebende an der gutsherrlichen Verweigerung des Niederlassungsrechts tragisch scheitern. Die Straße Hüsung umfließt einen Platz, der von einer Holzbank umrahmt ist; gesäumt wird sie von zweigeschossigen Wohnhäusern mit Vorgärten, in denen – formal stimmig – je ein kugeliger Ahorn steht. Unübersehbar sind die für den Baustil der „Neuen Sachlichkeit“ charakteristischen und als eigenständig betrachteten architektonischen Elemente: Farbe und Kontrast.

Sind die Eingänge des Hufeisens in kräftigem Blau gehalten, so sind die des Wohnblocks Hüsung dunkelrot gestrichen. Und besonders beeindruckend ist die „Rote Front“ – eine lange Häuserzeile mit ochsenblutroten Fassaden, die die Grenze dieser Siedlung an der Fritz-Reuter-Allee markiert. Die Hufeisensiedlung wurde zum Vorbild für andere Großsiedlungen, und zwar nicht nur in ästhetischer Hinsicht: Es galt, der enormen Wohnungsnot nach dem I. Weltkrieg wirksam zu begegnen, also massenhaft und kostengünstig zugleich zu produzieren und dennoch die Vision der idealen Stadt zu verwirklichen. Typisierendes Bauen in industrieller Großproduktion schien die Lösung zu sein. Dies zu demonstrieren, war das Anliegen des Stadtbaurats Wagner. Es ist gelungen bis auf den sozialen Aspekt: Eine Arbeitersiedlung, wie vorgesehen, ist nie daraus geworden; von Anfang an ließen sich mittelständische Bürger und Künstler hier nieder.

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