Route 2 Köllnische Heide - Kleingartenanlage "Volksgärten"

Kleingartenanlage Volksgärten Kleingartenanlage Volksgärten

Volksgarten ist nicht gleich Volksgarten, weder hinsichtlich des Ursprungs noch der Gestaltung und Funktion. Handelt es sich im einen Fall um eine Einrichtung für die Bedürfnisse eines Feudal- oder Landesherrn – wie beispielsweise der Hasenheide, die später dem Publikum geöffnet und zum Volksgarten oder -park wird, so im anderen - wie auch in der Kleingartenanlage “Volksgärten” - um eine soziale Maßnahme zur Milderung der Armut.

Bereits 1904 wurden in Berlin die ersten dieser Armengärten auf dem Dienstacker einer Försterei gegründet. So eigentlich in Schwung kam die Kleingartenbewegung jedoch erst durch die forcierte Industrialisierung. Nach der Devise „Gärten statt Geld“ sollte Eigenversorgung ermöglicht und Müßiggang vermieden werden. Nachdem die Bodenspekulation der Gründerzeit diese Bewegung kurzzeitig zum Erliegen gebracht hatte, erfuhren die Laubenkolonien dank der Wohnungsnot neuen Aufschwung insbesondere in Berlin, wo das „Rote Kreuz“ und die „Arbeiterbewegung“ in diesem Sinne aktiv waren.

Hier, in diesen „Rotkreuzgärten“ und „Arbeitergärten“ wurde nicht bloß gegärtnert, sondern mitunter auch gewohnt, und es soll so toll zugegangen sein, dass sie braven Bürgern und Polizei zum Ärgernis wurden. Man reagierte mit Verordnungen, um Regelmaß und Sauberkeit in diese Oasen zu bringen. Mit Erfolg: dafür standen „Gartenzwergidylle“ und „Laubenpieper“ über lange Zeit als Inbegriff deutscher Spießigkeit. Mittlerweile hat der Kleingarten wieder an Reputation gewonnen: Entspannung auf eigener Parzelle zu genießen ist nicht mehr Indiz für Engstirnigkeit. Überdies bieten sie die Möglichkeit für ökologischen Anbau im Kleinen. Spaziergänger dürfen partizipieren, indem sie durch die Anlagen wandeln und Blicke über Gartenzäune werfen.

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