Route 1 Rixdorf - Comeniusgarten

Comeniusgarten Comeniusgarten

„Nun, wie kann es gelingen, ein neues Paradies zu pflanzen?” fragte Johann Amos Comenius (1592-1670), der Universalgelehrte, der die Welt als Garten und das Leben als Schule verstand. Die Antwort liefert er in seinem Werk, das im Comeniusgarten gestalterisch interpretiert ist: Ein Teich mit schilfbewachsenem Ufersaum, eine ungemähte Wiese, Büsche, Wildkräuter symbolisieren die von Gott geschaffene „erste Natur”; kontrastierend dazu sind geometrisch beschnittene Hecken, im Rasen ein rundes Wasserbecken aus Stein, ein gepfropfter Obstbaum und gemauerte Hochbeete zu sehen: Die „zweite Natur”, von Menschenhand kultiviert.

Wie die Landschaft, so wird der Mensch geformt, beginnend in der „Schule des vorgeburtlichen Werdens”, endend in der „Schule des Todes” . Für die erste Schule (der nonverbale Dialog zwischen der Schwangeren und ihrem ungeborenen Kind) steht ein Walnussbaum am Karl-Marx-Platz, für die letzte der „Böhmische Gottesacker” in der Kirchhofstraße. Beide Schulen sind außerhalb des Comeniusgartens angesiedelt wie auch die „Mutterschul” (Spielplatz), die „Schule des Berufs” (Böhmisches Dorf) und die „Greisenschul” (Senioren-tagesstätte). Innerhalb des 7000 qm großen Gartenge ländes sind „Gemeine Schul” bis „Akademie” zu finden, beginnend mit dem „Veilchenbeet“, der ersten Grundschulklasse. „Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den Dingen”, ein Prinzip, das Comenius’ Philosophie durchzieht und auch für die Menschenbildung gilt.

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Kinder sollen nicht gezwungen, sondern angezogen werden wie vom Duft der Veilchen. „Rosenhain”, „Wiesenteppich”, „Irrgarten”, „Arzneigärtlein” und „Seelenparadies” folgen. Jeder Bereich ist Sinnbild einer Klasse und symbolisiert zugleich mehr: So ist der „Irrgarten” sowohl Name für die 4. Klasse der Grundschule als auch Sinnbild für die Irrungen und Wirrungen gewisser Lebensphasen, und nicht zuletzt steht er für den philosophischen Zweifel. Im „Seelenparadies” genannten Pavillon wiederum, der letzten Grundschulklasse, findet der Verwirrte innere Ruhe und seine eigene Mitte, zugleich ist er Erinnerung an den Mystiker Comenius, der Gewissheit in der Zwiesprache mit Jesus fand. Zwischen Pavillon und „Lateinschule” steht Comenius mit leeren Händen im zerrissenen Gewand eines Flüchtlings. Die Bronzestatue hat der tschechische Bildhauer, Josef Vajce, geschaffen, gestiftet wurde sie von der „Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik“ zum 400. Geburtstag des gelehrten Friedensmannes aus Böhmen und aufgestellt zur Eröffnung des Gartens im Jahre 1995.

Die „Lateinschule” verweist auf Comenius’ Schriften „Welt in Bildern” und „Schule als Spiel”, umgesetzt durch eine Galerie an der Begrenzungsmauer mit Bildern von Kindern gemalt, und eine Theaterbühne. Ihr folgt die „Akademie”, dargestellt durch ein dreieckiges Podest, auf dem Teleskop, Mikroskop, Spiegel stehen – Instrumente, die sowohl als technische Geräte wie als Mittel im übertragenen Sinne aufzufassen sind: Der Geist, in dem sich die Dinge spiegeln und der erkennt; die Zunge, die interpretiert und Erkanntes vermittelt; die Hand, die bildet und Erkanntes verwirklicht. Das Dreieck, das diese Instrumente trägt, ist Symbol für das Auge Gottes – Anfang und Ende auch dieses Gartens, dessen Eingang hier an der Richardstr. 35 ist, wo der erste Blick des Besuchers auf diese letzte Station fällt.

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