Route 1 Rixdorf - Neuer Garnisonsfriedhof und Türkischer Friedhof

Garnisonsfriedhof Garnisonsfriedhof

Am Columbiadamm, südlich der Hasenheide zwischen Freibad und Flughafen Tempelhof, liegen der „Friedhof Columbiadamm“ (ehedem Neuer Garnisonsfriedhof) und der „Islamische Friedhof“ (früher Türkischer Friedhof).

Der Neue Garnisionsfriedhof wurde dem „Dennewitz-Friedhof“ angegliedert und 1861 eröffnet. Letzterer trägt seinen Namen wegen der Opfer der Schlachten bei Großbeeren und Dennewitz gegen zurückweichende napoleonische Truppen. 1836 wurde der sog. Dennewitz-Friedhof mit einem Tor und einem Weg versehen, 1839 legte man die ersten Reihengräber an und 1843 eine Friedhofsmauer, die zum Teil auf der Südostseite noch im Original erhalten ist, sowie eine kleine Gedenkhalle aus rotem Backstein (entworfen von Karl Friedrich Schinkel unter Mitwirkung Friedrich Wilhelms IV.).

In den Neuen Garnisonsfriedhof gelangte man ehedem von Westen aus: Ein rötlich-gelber Backsteinbau mit Arkadenbögen bildete den Eingang, an welchen sich die 1861 gebaute Feierhalle im Süden und ein Verwalterhaus im Norden anschlossen. Die Gesamtfläche wurde mehrmals stark erweitert (v.a. 1918 für den „Heldenfriedhof“ für deutsche und gegnerische Gefallene des I. Weltkrieges), verlor jedoch wegen des Ausbaus des Flughafens Tempelhof 1938 wiederum an Fläche, weswegen die Hälfte der Toten umgebettet werden musste. Heute führen zwei Eingänge vom Columbiadamm aus auf den Friedhof. Durch den rechts des Schwimmbades liegenden Zugang gelangt man auf den parkähnlichen Teil, dessen zahlreiche Kriegerdenkmäler und Gräberfelder preußisch-deutsche Militärgeschichte widerspiegeln von den antinapoleonischen Befreiungskriegen, über die Kolonialkriege bis zum Ende des II. Weltkrieges. Rechts des Weges, an der Grenzmauer zum Schwimmbad, liegt der „Afrikastein“ – zu Ehren der sieben Freiwilligen, die bei der Niederschlagung des Aufstandes gegen die deutsche Kolonialherrschaft 1904-07 in Namibia (Deutsch-Südwestafrika) den Tod fanden. Die Errichtung eines Mahnmals für den Genozid an 60.000 Nama und Herero ist geplant.

Auf den südlichen Feldern sind die Gefallenen der Feldzüge 1864 gegen Österreich, 1866 gegen Dänemark und 1870/71 gegen Frankreich bestattet. Vor der Feierhalle steht das „Lucknerkreuz“ aus rotem Sandstein aus dem Jahre 1874, das vermutlich an das alte Kreuz des Dennewitz-Friedhofs erinnern soll. Lässt man Feierhalle und Gräberfelder hinter sich, so betritt man den Alleequartiersfriedhof, auf dem Zivilisten begraben sind und der weiterhin belegt wird. Außer einigen gut erhaltenen Erbbegräbnisstellen ist das Ehrengrab des Schriftstellers und Zeichners Bruno Fuchs erwähnenswert, dessen Lust am Spiel auch auf dem Grabstein zum Ausdruck kommt.

Garnisonsfriedhof Garnisonsfriedhof
Türkischer Friedhof Türkischer Friedhof

Gewissermaßen eingebettet in den Neuen Garnisonsfriedhof liegt der Islamische Friedhof (Türkischer Friedhof), dessen prächtige, im maurischen Stil errichtete Pforte einst auf einer Achse mit der Gedenkstätte für die Gefallenen der Befreiungskriege gelegen hatte. Diese Pforte war – wie auch das Gelände – ein Geschenk König Willhelms I. und Zeichen preußisch-türkischer Freundschaft. Sie musste 1938 der Erweiterung des Flughafens Tempelhof weichen. Der neue Zugang, Columbiadamm 128, zwischen den beiden Eingängen zum Garnisonsfriedhof, ist nurmehr mit einem schlichten schmiedeeisernen Tor versehen.

Dieser Friedhof war die erste islamische Begräbnisstätte Mitteleuropas, und ihre Anfänge reichen ins Jahr 1798 zurück, in dem der osmanische Gesandte in Preußen, Ali Aziz Efendi, auf der „Tempelhofer Feldmark“ (heute Kreuzberg) nach islamischem Ritus beerdigt wurde. Als dieser Begräbnisort einer Kaserne weichen musste, schenkte Wilhelm I. dem osmanischen Staat Gelände, um die Gebeine de(inzwischen) fünf toten Muslime auf diesem, nunmehr osmanischen Hoheitsgebiet zu begraben. Im folgenden Jahr, 1867, entwarf der Kgl. Baumeister Gustav Voigtel für sie eine ornamentierte Grabsäule, deren Spitze eine goldene Mondsichel ziert.

Ehemals in der Mitte des Friedhofs und allein wegen der Höhe herausragend, wurde sie 1888 umgesetzt und steht jetzt, eher unauffällig, neben der 2005 fertiggestellten „Türk Sehitlik Camii“ (Türkische Märtyrer-Moschee). Seinen Namen erhielt dieses islamische Gebetshaus nach dem Friedhof: „Türk Sehitlik“ bzw. „Türkische Kriegsgräberstätte zu Berlin“ . So hieß er nach 1918, da türkische Soldaten, die während des I. Weltkriegs an der Seite der sog. Mittelmächte (Deutschland, Österreich) gekämpft hatten, hier bestattet wurden. „Sehit“ (arab: Shahid) heißt „Märtyrer“ oder „Zeuge des Islam“, womit üblicherweise die im Kampf für den Islam Gefallenen gemeint sind; in der Türkei jedoch tragen diesen Titel auch Tote, die im Krieg fürs Vaterland, also für irdische Belange ihr Leben ließen. Von der kleinen Moschee aus den 1920er Jahren – vordem das Wachhaus des Geistlichen und Friedhofspflegers Hafiz Schükri Bey, das 1983-85 zum Gebetshaus mit Kuppel und Minarett umgebaut worden war – ist heute nichts mehr zu finden.

Der Baustil der jetzigen, der Sehitlik-Moschee ist an die klassisch osmanische Architektur angelehnt. Ihre Kuppel ist ungefähr 17 m hoch und ihre beiden Minarette messen 33 m Höhe. Für das Interieur wurden – abweichend von der Klassik – Keramik und Marmor kombiniert. Sie ist die größte Moschee in Berlin (1500 Menschen finden Platz) und gilt als die schönste Deutschlands. Muslime aller Nationalitäten halten hier Andachtszeremonien für ihre Verstorbenen; die Toten allerdings müssen wegen Auslastung dieses Friedhofs auf andere Begräbnisstätten überführt werden.

Türkischer Friedhof Türkischer Friedhof