Route 1 Rixdorf - Volkspark Hasenheide

Hasenheide Hasenheide

Ein paar Schritte südlich des Hermannplatzes liegt die Hasenheide – Neuköllns größte Grünanlage, die teils gleichzeitig, teils sukzessive als Weideland, Jagdgehege, militärischer Übungsplatz, Vergnügungsmeile und Turnplatz diente. Überdies ist sie ein Ort für Erholung in freier Natur mit eigener Geschichte auch als Landschaftsgarten. „Hasenhaide“ hieß das 105 ha große, ehemalige Weideland ab 1678, da der Große Kurfürst hier Hasen für seine Jagd hatte einhegen lassen. Benachbart dem „Tempelhofer Feld“, das seit 1722 als Exerzierfeld diente, wurde die Hasenheide temporär in die militärische Nutzung einbezogen.

Ab 1764 allerdings, nachdem erste Parzellen der Hasenheide in Erbpacht vergeben waren, zog hier anderes Leben ein: Zunächst eröffnete man bloß „Tabagien” (so hießen Wirtshäuser, in denen geraucht werden durfte, da sie vor den Toren der Stadt lagen); später jedoch, als der Nahverkehr ausgebaut und die Hasenheide mit dem Pferdebus erreichbar war, entwickelte sie sich zum Vergnügungspark. Jetzt kamen Ausflügler in Scharen, fliegende Händler, Gaukler, Musiker folgten und bald gab es auch Tanzplätze unter Bäumen, Schießbuden und Pferdekarussells. Östlich der Hasenheide“siedelten sich Brauereien an, die in improvisierten Biergärten ausschenkten.

Hasenheide Hasenheide

Überregionale Bedeutung indes erlangte die Hasenheide nicht allein dank sinnlichen Vergnügens und lockerer Sitten, sondern auch aufgrund nationalpolitisch motivierter Körperertüchtigung. 1811 ließ Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) hier den ersten Turnplatz Deutschlands eröffnen. An den Ästen einer Eiche soll der „Turnvater” die Jugend Reckübungen gelehrt haben. So heißt es. Der „Turnerbewegung“ folgte die „Turnfehde” und ihr das Turnverbot im März 1819. Wer jetzt noch turnte, turnte illegal. Die Turngeräte wurden abgerissen, und es entstand wieder ein Schießplatz. Jahn selbst, der als Demagoge angeklagt und mit Festungshaft belegt worden war, wurde 1840 rehabilitiert und nach seinem Tod sogar öffentlich geehrt: Zum 50. Geburtstag seines Turnplatzes legte man den Grundstein für das Jahn-Denkmal. Das bronzene Standbild von Erdmann Encke wurde 1872 eingeweiht und steht am nördlichen Eingang des Parks. Jene legendäre Eiche an der Fontanestraße/Ecke Karlsgartenstraße, die anfangs als Reck-Ersatz hatte herhalten müssen, taufte man „Jahn- Eiche”. Heute ist dieser ca. 500 Jahre alte Baum geschütztes Naturdenkmal.

1925 wurde die Hasenheide offiziell zum Volkspark, dessen heutige Gestalt im Prinzip auf die Anlage von Stadtgartendirektor Joseph Pertls aus den 1930ern zurückgeht, später (1948-53) jedoch durch den Gartenamtsleiter Kurt Pöthig noch einmal verändert wurde: Im westlichen Teil entstand ein aus Trümmern aufgeschütteter Berg – die „Rixdorfer Höhe“. Hier stand ab 1955 die „Trümmerfrau“, das Sandstein-Denkmal der Bildhauerin Katharina Singer (1986 an den Eingang Graefestraße versetzt).

Ungefähr gleich alt ist das Naturtheater mit seinen 1100 Sitzplätzen, das abends zum Freilicht-Kino wird. Direkt daneben finden kleine Besucher den nach Motiven von „1001 Nacht“ gestalteten Spielplatz. Gespielt wird allemal im Volkspark, auch von den Großen: Fußball, Volleyball, Musik. Und wem das alles zuviel wird, der geht in den Rosengarten oder Rhododendronhain oder an den Teich, der zu Beginn der 1990er angelegt wurde. Übrigens ein Tiergehege gibt es auch wieder, jedoch mit Dammwild, Schafen und Pfauen drin statt Hasen, und die werden gehegt, nicht gejagt.

Hasenheide Hasenheide