Route 1 Rixdorf - Landwehrkanal und Neuköllner Schiffahrtskanal

Landwehrkanal und Neuköllner Schiffahrtskanal Landwehrkanal und Neuköllner Schiffahrtskanal

Folgt man dem empfohlenen Pfad, so gelangt man ans Weigandufer und spaziert nordwärts den grünen, beschaulichen Uferweg am Neuköllner Schiffahrtskanal entlang bis zu dessen Mündung in den Landwehrkanal. Unterwegs – und zwar unter der Wildenbruchbrücke – ist eine touristisch eher ungewöhnliche Sehenswürdigkeit zu bestaunen: Eine stillgelegte Toilettenanlage, die einst die schönste Neuköllns gewesen sein soll.

Heutzutage ist sie Ausstellungsraum (Toiletten 27) und nur während der 48 Stunden Neukölln für Publikum geöffnet, wenn Künstler hier ihre Werke präsentieren. Weiter nördlich trifft man auf eine ornamentierte Bogenbrücke aus dem Jahr 1920 – die Lohmühlenbrücke, die Wim Wenders im „Himmel über Berlin“ zu einer Szene inspirierte: Engel vor dem Betonwall. Kurz nach der Brücke mündet der Neuköllner Schiffahrtskanal in den Landwehrkanal. Hier liegt nicht nur der Grenzpunkt dreier Bezirke: Kreuzberg, Neukölln, Treptow, auch die Wasserfläche bildet ein Dreieck. Manchmal lassen sich Schwäne blicken. Ansonsten sieht man auf dieser Wasserstraße hauptsächlich Ausflugsschiffe, Sport- und Ruderboote und manchmal sogar Flöße. Übrigens bietet der Schifffahrtskanal auch Anglerplätze, die ergiebigsten allerdings sollen am Britzer Hafensteg sein, also südlich dieses Pfades.

Landwehrkanal und Neuköllner Schiffahrtskanal Landwehrkanal und Neuköllner Schiffahrtskanal

Unser Weg führt weiter an der Sportstätte „Lohmühlenplatz“ vorbei, folgt dann dem unteren Bogen des Landwehrkanals nach links ans Maybachufer. Dienstags und freitags erlebt man hier am Nachmittag sehr lebendige Wochenmärkte, auf denen eine Vielfalt an Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und Gewürzen angeboten wird. Wer indes Ruhe und Beschaulichkeit sucht, mag seinen Spaziergang auf einen anderen Tag legen. An der Friedelstraße jedenfalls verlässt der Flaneur die Uferpromenade, um ins Künstlerviertel einzubiegen.

Berlin – einst die Stadt mit der zweithöchsten Zahl an Binnenhäfen Deutschlands baute Wasserstraßen und Hafenkapazitäten bis zum II. Weltkrieg kontinuierlich aus. 1850 bereits war der Landwehrkanal (nach Plänen von Peter Joseph Lenné) zur Entlastung der Spree gebaut worden. 1902-05 wurde der „Rixdorfer Stichkanal“ ausgehoben, der den Landwehrkanal mit der damaligen Rixdorfer Gasanstalt verband. 1912-14 erfolgte der Durchstich zum (1906 eröffneten) Teltowkanal: Das eben ist unser Neuköllner Schiffahrtskanal. Nachdem der Lastverkehr weitgehend auf Straße und Schiene verlagert war, verloren die Kanäle allmählich ihre Bedeutung als Transportwege und wurden zu historischen Zeugen dieser einst gewerblichen Nutzung. Heute schätzen wir sie als bauliche Denkmale, deren Ufer dem nördlichen Neukölln dieses von Grün geprägte Bild verleihen.

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