Route 1 Rixdorf - Richardplatz

Richardplatz Richardplatz

Der historische Kern Neuköllns liegt in dem Stadtteil, der heute (noch) „Rixdorf“ heißt. Die Besiedlung dieser Gegend reicht – wie archäologische Funde zeigen – bis in die Steinzeit zurück. Der erste urkundliche Beleg indes findet sich erst im Mittelalter als der Johanniterorden „Richardsdorp“ gegründet hat (1360). Das silberne Kreuz der Johanniter ist im Wappen von Rixdorf geblieben, das Dorf selbst wurde 1435 an die Doppelstadt Berlin-Cölln verkauft.

Am Richardplatz ist die Struktur dieses Dorfes noch heute sichtbar: Kirche (15. Jh.), Schmiede (1624), Krug (1685) und einige Gehöfte. Von der spätmittelalterlichen, einschiffigen Feldsteinkirche hatte die Verheerung des 30jährigen Krieges nurmehr die spätgotische Sockelzone des Kirchenschiffes und den dreiseitigen Chorabschluss übrig gelassen. Sie wurde wieder aufgebaut, danach mehrmals verändert, zuletzt 1939-41 als man auch die Sakristei aus Fachwerk hinzufügte. Das Gotteshaus ist seit 1884 Eigentum der böhmisch-lutherischen Gemeinde und bekam 1912 ihren heutigen Namen „Bethlehemskirche“. „Ein Wohnhaus [...] unter Ziegeldach neben der bereits vorhandenen kleinen Schmiede von 20 Fuß [6,28m] Breite, 15 Fuß [4,71m] Tiefe mitten im Dorfe” – so eine Beschreibung der Dorfschmiede im Jahre 1802.

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Die eigentliche, die „kleine Schmiede“ steht heute nicht mehr, aber das zugehörige Wohnhaus ist noch da, bekannt als „Frauentreffpunkt Schmiede“, und auch den Dorfkrug gibt es noch. Die genannten Gebäude sind denkmalgeschützt und ebenso das „Böhmische Dorf“, das wenige Schritte vom Richardplatz entfernt zu finden ist: Nach mehreren Verfolgungswellen hatten „Böhmische Brüder“ Zuflucht auch in der Mark Brandenburg gesucht; und Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, gewährte 18 Familien nicht nur Asyl, er ließ für die Glaubensflüchtlinge sogar ein eigenes Dorf errichten. 1737 wurden neun Doppelhäuser inklusive Inventar schlüsselfertig übergeben. 1748-51 bauten die böhmischen Kolonisten 20 Büdnerhäuser dazu, 1751 erhielten sie einen eigenen Friedhof, den „Böhmischen Gottesacker“, und bald folgten Schulhaus (1753) und Betsaal (1761).

Seit 1849 allerdings hat das Dorf ein anderes Gesicht: Die wegen einer Feuersbrunst zerstörten Häuser und Scheunen, ehedem mit dem Giebel zur Straße gebaut, wurden nun traufständig errichtet. Ein Haus lediglich, Richardstraße 80/81, zeigt die ursprüngliche Bauweise mit dem Giebel zur Straße. Aus dem alten Richardsdorf war zwischenzeitlich „Rieksdorf“ (Lageplan 1738) und 1797 „Deutsch-Rixdorf“ geworden, aus der Kolonistensiedlung ebenfalls 1797 „Böhmisch-Rixdorf“. Beide Gemeinden hatten eine je eigene Verwaltung, und im „Böhmischen Dorf“ sprach man bis ca. 1830 tschechisch. 1874 erst wurden die beiden Dörfer zusammengelegt. 1899 erhielt „Rixdorf“ Stadtrecht und 1903 ein eigenes Wappen, in dem auch den böhmischen Glaubensflüchtlingen Rechnung getragen wurde, symbolisiert durch den Abendmahlskelch.

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