Route 5 Rudow - Alt-Rudow

Alt-Rudow Alt-Rudow

(Alt-)Rudow ist eine der ältesten Siedlungen der Mark Brandenburg. Der Ortsname weist auf slawischen Ursprung (ruda=Erz) und eisenzeitliche Besiedlung hin (im 8. Jh. v. Chr. setzte in Mitteleuropa der Abbau von Raseneisenstein zur Erzgewinnung ein). Grabungsfunde im Umkreis Alt-Rudows jedoch belegen, dass es hier bereits jungsteinzeitliche Besiedlung gab. Die Straßendorfanlage Rudows – die heute noch sichtbare H-Form, wobei die Prierosser und Neuköllner Straße die Senkrechten bilden, und die Köpenicker Straße die Waagerechte ist – entstand in jener Zeitperiode, als Sklaven im Havel-Spree-Raum siedelten. Schriftliche Zeugnisse über das Dorf allerdings finden sich erst 1373 und 1375 (unter dem Namen „Rudawe“).

Seine Feldsteinkirche, die vermutlich das Zisterzienserkloster Lehnin bauen ließ, könnte Anfang des 13. Jhs. errichtet worden sein. Ihre heutige Form erhielt die Kirche 1954. An historischer Substanz sind nach der Kriegszerstörung nur noch Feldsteinwände unterhalb des Turmes, die Spitzbogenpforte, eine Seite des Kirchenschiffs und eine Grabplatte von 1736 erhalten. Im Schriftstück des Markgrafen Otto erfahren wir, dass 1373 Beteke Dyreken mit dem Gut Rudow belehnt war. Im 17. Jh. gehörte das Dorf dem Großen Kurfürsten, der um 1660 ein Bauerngut (Prierosser Str. 48) an den kurfürstlichen Kunstgärtner Michael Hanff verkaufte, der hier einen Lustgarten anlegte. 1702 kaufte Kurfürst Friedrich III. das gesamte Dorf mit Gutshof. Laut einer Urkunde aus demselben Jahr stand das Herrenhaus in der Dorfstraße (heute Prierosser Straße 59-63); schräg gegenüber lag der Lustgarten und an der heutigen Neuköllner Straße 328/334 ein Gemüsegarten (Ackerwöhrde).

Während vom Herrenhaus nichts mehr vorhanden ist (das 1770 erbaute wurde 1972 abgerissen), ist das ehemalige Jagdschloss heute das älteste Wohnhaus Rudows. Sein präzises Baujahr ist nicht bekannt. Die Bezeichnung „Jagdschloss“ taucht erstmals 1669 auf. Der „Berliner Adreßkalender“ von 1704 beschreibt es als eines der vornehmsten königlichen Lusthäuser. Davon allerdings ist dem zweigeschossigen Ziegelbau mit trister Fassade und grauem Walmdach nichts mehr anzusehen. Ein „Krug“ ist bereits 1375 (Landbuch Kaiser Karls IV.) erwähnt, jedoch ohne Standort. Der heutige Dorfkrug (Alt Rudow 59) wurde 1802 gebaut, nachdem das vorige Gebäude wie auch die Küsterei, Amtsschäferei, Schmiede und mehrere Bauern- und Kossätenhöfe 1799 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen war. Der Bleichteich (heute Dorfteich) übrigens war seinerzeit zirka 20 mal größer als heute und reichte bis fast zum Rudower Fließ.

Die fünfzehn Rudower Pfuhle waren möglicherweise mit der Rudower Talrinne verbunden, jedenfalls eigneten sich einige dieser Gewässer als Lebensraum für Fische. An historischen Gebäuden seien noch das Wohnhaus für Deputatsarbeiter aus dem 18. Jh. in der Prierosser Str. 50 (Deputat: Lohn in Naturalien), ein um 1820 erbautes Büdnerhaus mit Hirtenhaus (Alt Rudow 32) sowie zwei Bauernhäuser aus dem 19. Jh. in der Krokusstraße genannt. Sein erstes Schulhaus bekam Rudow 1858, in dem auch die Poststation untergebracht wurde. Dieser Backsteinbau in der Köpenicker Str. 187 diente später als Gemeindehaus. 1945 wurde es durch eine Bombe beschädigt, die Originalsubstanz ist jedoch noch weitgehend erhalten. Die zweite Schule, um 1890 im Stil der Neugotik gebaut, steht in Alt Rudow 60.

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