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Exkurs: Neuköllner Naturdenkmale « Gartenkulturpfad Neukölln
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Exkurs: Naturdenkmale aus der Eiszeit - Findlinge und Pfuhle

Fennpfuhl Meskengraben

Um charakteristische Landschaftselemente oder Einzelschöpfungen der Natur der Nachwelt zu erhalten, genießen sie den Schutzstatus eines Naturdenkmals. Im südlichen Moränengebiet Neuköllns sind darunter häufig Relikte der Eiszeit: „Findlinge“ und „Toteis-Löcher“ mit Umgebung. Findlinge oder erratische Blöcke (erratica: umherirrend, unstet) sind Gesteinsblöcke, die von Gletschern mitgeschleppt wurden und daher in einem Gebiet zu finden sind, aus dem sie geologisch nicht stammen.

Pfuhle wiederum entstehen aus konserviertem „Toteis“: Weicht ein Gletscher zurück, kann dessen Ausläufer zerfallen und einzelne Eisblöcke im Gletschervorfeld zurücklassen. Diese isolierten Eisbrocken werden von Sedimenten, die das Schmelzwasser des aktiven Gletschers mit sich führt, umlagert, überdeckt und schmelzen dadurch zunächst nicht. Taut das „Toteis“, kann das Wasser nicht mehr abfließen und bildet so eine wassergefüllte Hohlform in der Landschaft – sog. Toteislöcher. Diese Gewässer ohne Zu- und Abfluss nennt man Kolke, Sölle (pl. auch: Sollen) oder Pfuhle. Sofern sie nicht mit Grund- oder Oberflächenwasser (Regen) versorgt werden, trocknen sie aus. Ihre Verlandung indes wurde nicht selten durch agrokulturelle Einflüsse verhindert. Ackerbau setzte bereits in der Jungsteinzeit ein, wurde in der Bronzezeit intensiviert und spielt seitdem bis ins Hochmittelalter für die Entwicklung von Feldpfuhlen eine bedeutende Rolle: Durch mechanische Bodenlockerung werden Gänge der Regenwürmer zerstört und ihre Population beeinträchtigt, mithin die Kontinuität großer Bodenporen eingeschränkt, folglich sickert weniger Regenwasser in den Boden, sondern fließt ab in die Senke und verbessert die Wasserversorgung eines Pfuhls. Beispiel eines solchen Entwicklungstyps ist der Lolopfuhl in Rudow, der im Spätsommer meist austrocknet.

Andere Gründe, aber dieselben Folgen lassen sich bei Dorfpfuhlen ausmachen: sei es, dass man sie als Wasserreservoir brauchte oder gewerblich nutzte (Flachsverarbeitung, Tuchfärberei), man verhinderte ihre Verlandung durch aktiven Eingriff. Eindrucksvolles Beispiel ist der anthropogen überformte Hufeisenteich in Britz, der bereits im 1. Jh. Zentrum einer germanischen Siedlung war. Hatten Landwirtschaft und handwerkliche Industrie über Jahrhunderte zur Erhaltung der Pfuhle beigetragen, so sorgten sie im 20. Jh. wesentlich für ihre Beseitigung: Diese „Löcher in der Landschaft“ wurden wegen neuer Agrartechnik oder Bebauungsplänen zunehmend störender Bestandteil des Ackerlandes bzw. Siedlungsraumes und daher teils als Müllgrube genutzt, teils mit Erde verfüllt. So existieren von ursprünglich 200 Neuköllner Pfuhlen heute noch 30. Um sie zu erhalten, werden sie geschützt und Maßnahmen getroffen, um ihre Verlandung oder Trockenlegung zu verhindern.

Fennpfuhl Hufeisenteich